Hassmails zu bekommen ist nichts Ungewöhnliches. Wenn jedoch der Absender bei einer Organisation tätig ist, in der er viel über das Töten lernt und jederzeit Zugang zu Waffen hat, dann bekommt solch eine Mail einen anderen Stellenwert. Jürgen Rose vom Arbeitskreis Darmstädter Signal erhielt solch eine Hassmail – gezeichnet mit Namen und Titel eines Mannes, der nicht nur bei der Bundeswehr tätig ist, sondern bei der Elitetruppe KSK, deren genaue Aktivitäten das Verteidigungsministerium weitgehend geheim hält.
Jeder Jürgen Rose erhielt eine Mail mit folgendem Inhalt:
Guten Tag Herr Rose,
durch Zufall bin ich über die Seite des DS gestoßen.
Mit Befremden registriere ich die strukturelle Ausrichtung Ihrer Vorfeldorganisation und distanziere mich als deutscher Offizier entschieden von diesem linken Zeitgeistkonglomerat uniformierter Verpflegungsempfänger. Nicht die Kritik an kritikwürdigen Themenfeldern kritisiere ich, sondern die Intention und Diktion dahinter. Sie wissen was ich meine und sie wissen auch, dass sie nicht das Sprachrohr einer, unserer Armee sind. Ich beurteile sie als Feind im Inneren und werde mein Handeln daran ausrichten, diesen Feind im Schwerpunkt zu zerschlagen. Die Phase des 68er Marsches ist beendet, kehren Sie um in den Gulag der politischen Korrektheit oder in die Sümpfe des Steinzeitmarxismus, dem Sie entkrochen sind. Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht.
Somit verbleibe ich mit vorzüglicher Geringschätzung und trefflicher Erheiterung in der Betrachtung Ihrer weiteren operativen Unfähigkeit.
[K.], Daniel Hauptmann *
"Es lebe das heilige Deutschland" (Stauffenberg)"
*Name geändert
Macht sich hier eine neue Form des blinden Militärgehorsam und des Totalitarismus breit?
Jürgen Rose sagt im Interview mit heise, dass er einen Anruf von einem Bundestagsabgeordneten bekommen hätte, der die Bundeswehr seit langem kennt, und der ihm sagte, dass man in früheren Zeiten – noch während des Kalten Krieges – einen solchen Offizier umstandslos entlassen hätte.
Jürgen Rose erstattete Anzeige bei der Polizei Anzeige und meldete den Fall Bundeswehrintern. Der Wehrbeauftragte monierte das er disziplinarische Würdigung für unangemessen hält.
Sie glauben also tatsächlich an eine solche Gruppe, und weniger an einen schlechten Scherz?
Hans-Jürgen Rose: Das ist natürlich schwer einzuschätzen. Es gibt in der Tat zwei Möglichkeiten: Die eine ist, dass er nicht ganz Herr seiner Sinne war, als er das schrieb - vielleicht hatte er exzessiv dem Alkoholgenuss gefrönt. Das scheint mir aber nicht ganz so wahrscheinlich - vor dem Hintergrund, in dem sich das KSK oftmals schon bewegt hat (oder zumindest bestimmte Kameraden aus dem KSK, was ab und zu mal nach oben gekommen ist, beispielsweise die Fahrten mit Rommels Afrikakorps-Palme in Afghanistan). Aber es lässt sich nicht endgültig entscheiden, ob er da jetzt als Einzeltäter steht, oder ob tatsächlich - wie er schreibt - eine Gruppe dahintersteckt. Das sind auch die Befürchtungen und Überlegungen, die den Wehrbeauftragten bewegt haben (und die ihm Sorgen bereiten) - dass [K.] tatsächlich für eine Art Freikorps steht, wie wir das aus Weimarer Zeiten kennen.
Quelle: heise











